Evangelisch-Theologische Fakultät
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Nachruf auf Ferdinand Hahn (1926 – 2015)

29.07.2015

Ferdinand Hahn wurde am 18. Januar 1926 in Kaiserslautern geboren. Er wurde noch vor Ende des Krieges zum Wehrdienst einberufen. Nach mehreren Jahren Kriegsgefangenschaft studierte er von 1947 bis 1953 evangelische Theologie in Mainz, Göttingen und Heidelberg. Prägende Lehrer waren Ernst Käsemann, Joachim Jeremias, Günther Bornkamm, Walther Zimmerli und Gerhard von Rad, sowie Friedrich Gogarten und Edmund Schlink.

Nach zwei Jahren im Dienst der pfälzischen Landeskirche wurde er 1956 wissenschaftlicher Assistent für Neues Testament am Lehrstuhl von Günther Bornkamm in Heidelberg, wo er 1961 mit einer Arbeit über die Anfänge der christologischen Traditionen promoviert wurde. Schon 1963 habilitierte er sich mit einer Arbeit über das Verständnis der Mission im Neuen Testament. Beide Schriften wurden 1963 veröffentlicht und kurz darauf ins Englische übersetzt. So wurde Hahn schnell einem internationalen Publikum bekannt. Vor allem die Dissertation, die unter dem Titel Christologische Hoheitstitel. Ihre Geschichte im frühen Christentum erschien und zu einem Standardwerk der neutestamentlichen Forschung wurde (1966 bereits in dritter Auflage), begründete Hahns weltweiten Ruf. Sie erreichte bis 1995 fünf Auflagen, die letzte mit einem umfangreichen Nachtrag.

Nach einer Lehrstuhlvertretung in Göttingen 1963–64 wurde Ferdinand Hahn 1964 auf den Lehrstuhl für Neues Testament an der Universität Kiel berufen. 1968 folgte er einem Ruf an die Evangelisch-Theologische Fakultät in Mainz. Von 1976 bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte und forschte er als Nachfolger von Leonhard Goppelt an der Evangelisch- Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. Hier war er von 1991 bis 1992 Dekan. Hahn betreute eine Vielzahl von Dissertationen und Habilitationen. Viele seiner Schüler und Schülerinnen erhielten Lehrstühle in Deutschland und im Ausland. Von 1971 bis 1997 war er Herausgeber der renommierten wissenschaftlichen Kommentarreihe Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament, von 1967 bis 2005 Mitherausgeber der Monographienreihe Biblischen Studien bzw. Biblisch-theologische Studien sowie von 1969 bis 1997 der Reihe Wissenschaftliche Monographien zum Alten und Neuen Testament. Er war langjähriger Mitherausgeber der Zeitschriften Evangelische Theologie und Verkündigung und Forschung. 1998 erhielt er die Ehrendoktorwürde des Theologischen Instituts in Klausenburg und Hermannstadt. Festschriften wurden ihm jeweils zum 65. und 75. Geburtstag gewidmet: Anfänge der Christologie (1991); und: „ ... was ihr auf dem Weg verhandelt habt“ (2001).

Ferdinand Hahn war ein außergewöhnlich breit ausgerichteter Neutestamentler. Bis ins hohe Alter veröffentlichte er zahlreiche wegweisende Aufsätze zu fast allen Bereichen der neutestamentlichen Forschung. Schwerpunkte bilden methodologische Studien zur Formgeschichte und zur Rückfrage nach dem Historischen Jesus, Fragen zur Überlieferung und Theologie des Markus- und des Johannesevangeliums sowie immer wieder zur Missionim frühen Christentum, ferner Beiträge zur frühen Bekenntnistradition und zur paulinischen und deuteropaulinischen Theologie, zu den katholischen Briefen und zur Apokalyptik und der Johannesapokalypse. Ein großer Teil der Aufsätze wurde in Sammelbänden nachgedruckt: Mission im Neuen Testament (1999); Studien zum Neuen Testament. Bd. I: Grundfragen, Jesusforschung, Evangelien. Bd. II: Bekenntnisbildung und Theologie in urchristlicher Zeit (2006).

Ferdinand Hahn bemühte sich intensiv um den Dialog mit dem Judentum und das ökumenische Gespräch. Seine Beiträge zum jüdisch-christlichen Dialog sind in dem Band Die Verwurzelung des Christentums im Judentum (1996) gesammelt worden. Ein großes Anliegen war ihm die Verständigung mit der Römisch-Katholischen Kirche. Er war Mitglied in zahlreichen ökumenischen Gremien, unter anderem im Ökumenischen Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen, dessen Stellungnahme zum Herrenmahl er entscheidend mitgeprägt hat. Hahn trug wesentlich dazu bei, dass die Einheitsübersetzung der Bibel im Bereich des Neuen Testaments in ökumenischer Verantwortung erarbeitet werden konnte. Seine ökumenischen Bemühungen dokumentiert der Aufsatzband Exegetische Beiträge zum ökumenischen Gespräch (1986), in dem Hahn grundlegende Studien zur Frage von Schrift und Tradition, zum Problem des „Frühkatholizismus“, zum Herrenmahl und zur Frage nach dem kirchlichen Amt vorgelegt und besonders auch den Beitrag der katholischen Exegese zur neutestamentlichen Forschung gewürdigt hat.

Ferdinand Hahn krönte sein Lebenswerk mit einer monumentalen, zweibändigen Theologie des Neuen Testaments (2001), die ebenso wie sein Erstlingswerk zu einem Standardwerk wurde (dritte Auflage 2011). Dafür wurde er 2003 als erster Preisträger mit dem Forschungspreis der Eugen-Biser-Stiftung ausgezeichnet. Der erste Band stellt die Verkündigung Jesu und die Entwicklung der einzelnen Theologien des frühen Christentum dar; der zweite Band bietet eine systematische Zusammenschau, stellt das Material zu einzelnen thematisch-sachlichen Aspekten zusammen und befragt es nach Konvergenzen und Differenzen. Mit diesem Werk setzte Ferdinand Hahn am Ende seines Wirkens noch einmal neue Maßstäbe und wies der neutestamentlichen Forschung auf einem ihrer schwierigsten Problemfelder neue Aufgaben, aber auch neue Lösungswege.

Am 28. Juli 2015 starb Ferdinand Hahn nach kurzer Krankheit in seinem 89. Lebensjahr. Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Ludwig-Maximilians Universität gedenkt seiner mit großem Respekt und in Dankbarkeit.

Prof. Dr. David du Toit

Prof. Dr. Christoph Levin, Dekan


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