Evangelisch-Theologische Fakultät
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Universitätsgottesdienste im Sommersemester

Die Gottesdienste im Sommersemester 2008 stehen unter dem Motto "Städte-Bilder"

29.01.2008

Städte bilden die Kristallisationskerne der Kultur. Nach der Bibel gründete Kain, der Sohn des ersten Menschen, die erste Stadt, noch bevor wichtige Errungenschaften wie die Musik und das technische Handwerk entstehen. Ohne Städte keine Hochkultur und kein High-Tech. Ohne Städte keine effektive Verwaltung und kein militärischer Schutz. Seit alters entstehen Königsstädte, wenn sich politische Macht herausbildet. Städte sind Voraussetzung wie Folge der Arbeitsteilung und des Handels. Städte sind die Orte des Geistes und der Wissenschaft. Nicht lange, und es entstehen himmelstürmende Hochhäuser (Gen 11), für die einen faszinierend, für andere erschreckend, für viele beides zugleich. Auch die Religion lebt von der Stadt. Um die wichtigen Heiligtümer wachsen Städte heran. Städte gründen ihrerseits Heiligtümer und bauen Kathedralen. Was wäre München ohne die Türme der Frauenkirche!

Wie alles, was Menschen anpacken, kann das Leben der Stadt zum Besten gedeihen, aber auch ins abgründig Böse entgleiten wie in Sodom, dessen Bewohner sich zum Pogrom zusammenrotteten. Zeitweilig hat sich im Judentum eine starke Abneigung gegen die Stadt und ihre Bewohner entwickelt. Die Stadt galt ihrem Wesen nach als gottfeindlich. Das hindert nicht, dass Jerusalem, die Stadt der Gottesgegenwart, geradezu paradiesische Züge annehmen kann. Am Ende wurde dieses Idealbild derart übersteigert, dass es sich mit der Wirklichkeit schlechterdings nicht mehr zusammenreimen ließ. Als Ausweg entwickelte sich die Vorstellung des himmlischen Jerusalems – das seinerseits zum Urbild vieler irdischer Ideal-Städte geworden ist.

Die Stadt München wird in diesem Jahr 850 Jahre alt. Das Jubiläum ist willkommener Anlass, in den Gottesdiensten des Semesters eine Reihe von Stadt-Ansichten vor Augen zu führen, wenn man so will: religiöse Veduten. Das geschieht notgedrungen in ausgewählten Beispielen; denn das Thema der Stadt ist so vielfältig und unerschöpflich wie die Kulturgeschichte selbst. Am Anfang steht Athen, die Wiege der Demokratie und Stadt der Philosophen und eine Stadt der frühen Christenheit. Die Besinnung auf Babel, das biblische Metropolis, führt Chancen und Gefahren des Stadtlebens drastisch vor Augen. München, der Jubilar, darf nicht fehlen. Magdeburg bildet das beste Beispiel für die urbane Ausprägung der lutherischen Reformation. Ninive steht für die feindliche Stadt als dem Hort des Bösen, an dem Gott seine Gerechtigkeit ebenso wie seine unbegreifliche Gnade erweist. Jerusalem macht den Beschluss.

Prof. Dr. Christoph Levin
Evangelischer Universitätsprediger

 

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