Evangelisch-Theologische Fakultät
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Alte Kulturen: Gerechtigkeit – Weltordnung oder Bedrohung?

Vorlesungsreihe des Münchner Zentrums für Antike Welten im Wintersemester 2009/10

22.10.2009

Gerechtigkeit als Voraussetzung sicheren und gelingenden Lebens wurde in den alten Kulturen noch dringender empfunden als in der Gegenwart. Sie betraf nicht nur das Rechtsleben, sondern die öffentliche Ordnung im weitesten Sinne, sogar die Ordnung der Natur. Sie galt als der tragende Grund des Lebens und Zusammenlebens. Deshalb band sie selbst Götter und Könige, je größer deren Machtbereich war, desto mehr. Jeder einzelne war ihrer Norm unterworfen.

Dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit steht entgegen, dass Gerechtigkeit definiert werden muss. Sie ist in der Regel kontrovers und unterliegt dem Spiel der Interessen. Wer über die Deutungshoheit verfügt, kann sie missbrauchen. Das betrifft nicht nur den einzelnen Rechtsfall. Es ist ein allgemeines und in seiner Allgemeingültigkeit bedrohliches Problem.

Konsequente Gerechtigkeit kann sogar zum Selbstwiderspruch werden: „summum ius – summa iniuria“. Dennoch ist Gerechtigkeit unerlässlich. Deshalb wurde sie in der alten Welt eingehend reflektiert. Die Vorlesungsreihe bietet eine Kette unterschiedlicher Fallbeispiele. Sie sind, wenn auch Jahrtausende alt, mehr denn je aktuell.